lunedì 13 marzo 2006

Mein Liebes Fräulein Mozart

Discorso tenuto da Wilhelm Pfeistlinger alla presentazione de La sorella di Mozart presso l'Istituto Austriaco di Cultura di Roma (il romanzo è stato pubblicato anche in lingua tedesca). Corredato da foto della serata.
www.ritacharbonnier.com

PRÄSENTATION DES BUCHES „MEIN LIEBES FRÄULEIN MOZART“
VON RITA CHARBONNIER
IM ÖSTERREICHISCHEN KULTURFORUM ROM
EINFÜHRENDE WORTE VON WILHELM PFEISTLINGER
VIZEDIREKTOR DES FORUMS

Zur Einführung in die Einführung zwei Bitten um Nachsicht:

Erste Bitte um Nachsicht: Heute abend wird ein Buch präsentiert. Gestatten Sie mir daher, dass auch die Einleitung einen leichten literarischen Hauch aufweist.

Zweite Bitte um Nachsicht: Heute abend wird - anlässlich seines 250 –jährigen Geburtstages - über Mozart gesprochen werden. Das ganze Jahr hindurch wird über Mozart gesprochen werden, Und über Sigmund Freud wird gesprochen werden. Der wäre hundert Jahre jünger.

Verzeihen Sie mir daher, bitte, doch ich hoffe, Sie verstehen mich, wenn ich mein Erlebnis von heute nacht nicht verhehle. Heute nacht, bereits am Rande der Morgendämmerung, dann, wenn uns die Träume martern oder befreien, erschien mir - Freud.

„Guten Morgen“, nickte er mir freundlich lächelnd zu, „ich komme außerhalb des gewohnten Programms“, fügte er ohne zu unterbrechen an, “nämlich, ich habe da einen Brief für Sie”, beendete er seinen Diskurs, händigte mir ein weißes Kuvert aus und löste sich in Nichts auf.

Erleichtert ob dieses Abgangs öffnete ich das Kuvert. Den Inhalt lesen wir gemeinsam:

“Liebster Vize, Witz-der-liebste, lieber Wilhelm, mein lieber Freund,

Es gelang mir, den großen Impresario zu überzeugen, Dir diesen kurzen Brief im Wege unseres gemeinsamen Freundes Sigmund. zukommen zu lassen. Wir drei kamen überein, Dich beruhigen zu müssen, denn wir sahen Dich wahrlich nervös, panisch, ja verzweifelt in den letzten Tagen. Ahimè, o weh, perché , na geh! Beunruhige dich doch nicht wegen der Einführung, die du morgen abend halten musst. Sei froh, endlich eine Arbeit über die mich vorstellen zu können, die mich nicht zelebriert, nicht illuminiert, nicht analysiert. Fort mit all diesen Gedanken, mit denen du dir das Leben verkomplizierst, den Geist verstellst und das Herz verdüsterst: Phrasen wie „der Motivationshorizont der Schriftstellerin“, „Wert und Notwendigkeit des künstlerischen Zugangs im hermeneutischen Prozess", und weiter „Unangemessenheit und Unmöglichkeit einer objektiven Geschichtswissenschaft“, „Gültigkeit und Grenzen der Imagination, „Verdacht auf Sublimation emanzipatorischer Affekte", „verborgener Feminismus“, etc.etc...

Denken, mein teurer Vize-Witzer, solche Drahtseilakte des Gehirns zu versuchen, wäre wie die Aufführung einer meiner Sinfonien in der Besetzung der Symphonie der Tausend meines höchst geschätzten Kollegen Mahler. Aber der Mahler ist nicht der Mozart, der Mozart ist nicht der Bach, der Bach ist nicht einmal der Bach, sein Bruder Bach ist nicht der Händel, der Händel ist nicht ein Henderl, das Henderl ist nicht der Wolferl, der Wolferl ist nicht der Amadé, der Amadé ist nicht der Principe (1), der Principe ist nicht die Charbonnier, die Charbonnier ist nicht die Constanze, das Stanzerl ist nicht das Nannerl, das Nannerl war einmal im Pfannerl, danach kam die Hannerl. und schwups war’s schon ein Annerl, mit einem Wort ein Roman ist kein Gedicht und kein Aufsatz auch nicht, ein Roman ist ein Roman und jetzt weißt du, was er kann und sonst ist nichts mehr dran.

Das, lieber Vize, hat diese sympathische junge Dame aus Italien mit dem klingenden französischen Namen sehr gut verstanden. Du aber – törichter Spund meiner Heimat – willst es nicht begreifen? Denkt nicht, reflektiert nicht, zelebriert nicht, nein: Erzählt, freut euch, genießt, verspürt, feiert, scherzt, lacht, weint! Stell der Charbonnier keine Fragen, frag sie um keine Positionierungen, lass sie ihre Ideen erzählen, lass sie ihr Buch erzählen und – am wichtigsten - lass sie sagen, was sie sagen will. Lass sie doch machen!

Ich hab nicht mehr allzu viel Zeit. Der große Impresario gewährt mir nur die Morgendämmerung. Ein letzter Augenblick verbleibt uns noch. Ich will ihn nützen und dir ein Geheimnis enthüllen. Wie du weißt, bin ich hinlänglich eitel. Im allgemeinen behagt es mir ja gefeiert zu werden. Doch in diesen Tagen frage ich mich mehr und mehr und jetzt frage ich es auch dich, damit du es die Deinen fragst: Wenn sie sich dauernd mit mir beschäftigen, was wird dann aus ihnen? Wenn sie mir ständig so nahe kommen, gehen sie dann nicht fort von sich selbst? Feierten sie doch die Musik – auch meine Musik, ich wiederhole: an Eitelkeit gebricht’ s mir nicht - würden sie sich selbst und einander näher kommen! Mir wäre die Feier der Musik lieber. Doch wenn es schon Personen sein müssen, denen man huldigt, dann sollten jene gewählt werden, die es verdienten, aber noch nicht erhalten haben, die ein Recht darauf und auch einen Bedarf danach haben. Einen berühmten Genius verehren und feiern – nichts leichter als das. Ein nicht berühmtes Talent verehren und feiern – nichts schwieriger als das, aber auch nichts wichtiger.

Und das kann ich dir sagen: Meine Schwester verdient dieses Buch, das wirklich ein Buch über sie und nicht über mich an ihr entlang ist. Endlich, nach so langer Zeit, wird sie nicht mehr als Vorwand benutzt, um Kenntnisse, Gedanken, Theorien, Einsichten und Dummheiten mich betreffend zu verbreiten. Endlich ist sie die Hauptdarstellerin. Sag der so sympathischen italienischen Dame mit dem klingenden französischen Namen, dass ich ihr sehr dankbar bin. Erstens, weil sie mir das Fegefeuer zu verkürzen imstande war, indem sie den Blick auf meine Schwester richtete und diese würdigte, – wie oft hab’ ich das unterlassen! – und zweitens weil es die Musik ist, die sie in erster Linie feiert und würdigt. Diese Musik, die am Ende ja auch in dieser Welt stärker war als die zerstörerischen Kräfte in mir und in Nannerl, als sie doch trotz allen Zwistes nach meinem raschen Finale sich meiner Werke angenommen und sie editiert hat. Wo wären ohne sie meine „opera omnia“. Und wo wäre das alles ohne Musik? Diese unsere Musik, die uns immer voraus ist. Wenn wir ihr Einlass gewähren in unsere Leben. „Danke“, sagte die Charbonnier mit ihrem Buch meiner Schwester Nannerl in meinem und vielleicht euerunser aller Namen. „Danke“ möchte jetzt ich der Dankenden sagen, denn ich will kein zweites Mal fehlen. Willst Du mein Bote sein, teurer Freund? Ich bitte dich darum.

Toi, toi, toi, alter Hase, mein liebster Vize, und bis auf irgendwann einmal wieder, in der Zwischenzeit nichts weniger ganz der Deine, Wolfgang Amadé Mozart.”

Ein schwacher Lichtstrahl kitzelte mich wach. Tag ihn zu nennen, wäre schamlose Übertreibung, es muss einer der ersten Strahlen gewesen sein, eine kaum beobachtbare Lockerung der Dunkelheit. Oder würde das Licht etwa den ganzen Tag dermaßen geizen. Regen. Ein trister Morgen. Dennoch, irgendwie stand ich auf und betrank mich mit meinem Lieblingsmozart, der „Zauberflöte“, Tamino und Pamina unmittelbar vor der Feuer- und Wasserprobe: “Wir wandeln durch des Tones Macht froh durch des Todes düstre Nacht“. Und immer noch musiktrunken sage ich: Danke Sigmund, danke Wolfgang, danke Nannerl, danke Rita – und darf gleich hinzufügen: Bitte, Rita, erzählen Sie uns...

(1) „Principe“: Quirino Principe: berühmter italienischer Musikologe, Musikkritiker und Musikhistoriker.

Photos: andyprex, Marco.

1 commento:

  1. Hallo.
    Ich mochte mit Ihrer Website ritacharbonnier.blogspot.com Links tauschen

    RispondiElimina